Blake Murdoch: “Es ist an der Zeit, unsere Raumluft von Krankheitserregern zu befreien”

Zum Thema der sauberen Innenraumluft erschien am 4. April 2024 in der kanadischen Tageszeitung “Edmonton Journal” ein bemerkenswerter Meinungsbeitrag unter dem Titel It’s time to clean the germs out of our indoor air, den wir im Renad-Blog in deutscher Übersetzung, die von Stefan Hemler erstellt wurde, veröffentlichen. Der Verfasser des Clean Air-Plädoyers, Blake Murdoch, ist Wissenschaftskommunikator und leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Gesundheitsrecht an der Universität von Alberta. Seinen Text hat er letzte Woche auf dem Kurznachrichtendienst X (vormals Twitter) selbst in einem Thread kommentierend vorgestellt. Aus Murdochs Twitterfaden verwenden wir nachfolgend einige Postings als Textillustration.

Am 11. Februar 2020 erklärte der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus, öffentlich, dass das neue Coronavirus durch die Luft übertragen werde. Sein Kollege Dr. Michael Ryan flüsterte ihm daraufhin etwas zu und zeigte ihm eine Notiz. Ein paar Minuten später zog Dr. Tedros seine Aussage zurück, bezeichnete den Terminus „luftübertragen“ als „Militärsprache“ und sagte, das Virus verbreite sich über „Tröpfchen“.

Einige Länder wie Japan erkannten aber, dass das neuartige Coronavirus wie Rauch in der Luft zu schweben schien – anders als die WHO und ein Großteil der Welt. Am 28. März 2020 twitterte die WHO unrühmlicherweise: “Faktencheck: COVID19 ist NICHT über die Luft übertragbar.”

Später wurde berichtet, dass Aerosolphysiker bei dem Versuch, die WHO zu Beginn der Pandemie zu beraten, vor allem aufgrund medizinischer Dogmen übergangen worden waren. Viele Leben hätten gerettet werden können, wenn sich die öffentlichen Gesundheitseinrichtungen auf die Eindämmung der Virenübertragung über die Luft konzentriert hätten.

Mehr als vier Jahre später ändern sich die Dinge. Die WHO erkennt auf institutioneller Ebene nun endlich vollständig an, dass COVID-19 über die Luft übertragen wird, und hat einen der weltweit führenden Aerosolwissenschaftler zum Ko-Vorsitzenden ihrer neuen Beratungsgruppe für Innenraumluft ernannt. Die WHO hat auch mit Teilchenphysikern zusammengearbeitet, um das Airborne Risk Indoor Assessment (ARIA) zu entwickeln – ein Bewertungstool für das Risiko der Innenraumluft, welches das Infektionsrisiko für verschiedene Gebäudetypen und Situationen modelliert, damit wir besser verstehen, wie wir Innenraumluft rein halten können.

Wenn ARIA richtig eingesetzt wird, kann dieses Schlüsselinstrument, wie ich nachfolgend erklären werde, die Welt verändern.

Erstens können durch die Reinigung der Innenraumluft alle durch die Luft übertragenen Krankheiten gleichzeitig eingedämmt werden, ohne dass das Verhalten des Einzelnen geändert werden muss. Einige Krankheiten, die immer wieder unserer Gesundheit schaden und unsere Krankenhäuser füllen, werden über die Luft übertragen, darunter COVID19, Grippe, RSV und Tuberkulose.

Zweitens wird die Reinigung der Innenraumluft dazu beitragen, künftige Pandemien zu verhindern. Viren, die einen globalen Notfall auslösen, werden mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit über die Luft übertragen, da sich diese Art von Krankheitserregern normalerweise leichter verbreitet. Insgesamt atmet jeder von uns im Durchschnitt rund 11.000 Liter Luft pro Tag ein.

Viele Länder verfügen ja bereits über sauberes Wasser, so dass Pandemien, die durch Wasser übertragen werden, im Wesentlichen beseitigt worden sind. Wir bekommen also keine Cholera mehr – und wir müssten auch keine Grippe mehr bekommen.

Dritter Punkt: Wenn saubere Raumluft die Ausbreitung von Krankheiten eindämmt, dann gibt es weniger ansteckende Menschen pro Innenraum als zuvor, was die Übertragung weiter verringert. Dies schafft eine positive Rückkopplungsschleife. Erfolge bei der Krankheitsprävention summieren sich so zu weitaus größeren Vorteilen, wie etwa bei Geld, das man über Jahrzehnte hinweg investiert. Wobei der Lebenszyklus von der Infektion bis zur Übertragung kurz ist, weshalb sich die positiven Effekte viel schneller zeigen – sie können bereits innerhalb weniger Wochen einsetzen.

Das Ergebnis kann ein “exponentieller Rückgang” sein. Wenn jede infizierte Person im Durchschnitt weniger als eine andere Person ansteckt, beginnt eine Krankheit organisch zu verschwinden, indem sie immer seltener wird.

Exponentieller Rückgang kann sogar zur Ausrottung führen, wie kürzlich geschehen. Die Schutzmaßnahmen in den ersten Jahren der Pandemie ließen die gesamte Yamagata-B-Linie des Influenza-Stammbaums aussterben. Jetzt wird sie aus allen künftigen Grippeimpfstoff-Formulierungen gestrichen.

Durch Investitionen in die Innenraum-Luftqualität können wir jede durch die Luft übertragene Krankheit unter Kontrolle bringen. Man stelle sich vor, Eltern mit ständig kranken Kindern im Schulalter würde erklärt, dass ihre Kinder durch eine bloße Änderung der Bauvorschriften viel gesünder werden. Das entspricht offenkundig ihren Wünschen, und es verhindert dazu auch postvirale chronische Krankheiten wie Long Covid. Ich bin mir unsicher, ob Eltern begreifen, dass dies aktuell möglich ist. Stattdessen werden unnötige Krankheiten gesellschaftlich normalisiert, um Familien wie in einem sozialen Ritus die Folgen erträglich erscheinen zu lassen, obwohl das Leben doch eigentlich viel besser sein könnte.

Belüftung, Filterung und UV-Licht-Bestrahlung, die Krankheitserreger abtöten kann, wie etwa Far-UV und Upper Room-UV, sind die drei wichtigsten bestehenden Technologien für eine gesundheitserhaltende Gebäudekonstruktion. Für dieses Unterfangen sollten wir Millionen ausgeben, ja sogar Milliarden. Es wird die größte Verbesserung der menschlichen Hygiene sein seit der Einführung der Trinkwasserversorgung. Es wird enorme wirtschaftliche Vorteile mit sich bringen, da die Zahl der kurz- und langfristigen Erkrankungen stark zurückgeht und der Patientendruck auf die Krankenhäuser nachlässt.

Gereinigte Innenraumluft schützt auch vor schädlicher Umweltverschmutzung und hilft uns bei der Anpassung an den Klimawandel, was diejenigen, die den Rauch von Waldbränden eingeatmet haben, nur allzu gut wissen.

Jetzt muss sich nur noch die Bürokratie hinter die Wissenschaftler und Ingenieure stellen, damit diese sich daran machen können, das Leben für alle zu verbessern.

Blake MURDOCH, It’s time to clean the germs out of our indoor air, Edmonton Journal vom 4.4.2024.

Der Renad-Blog dankt Blake Murdoch für die Erlaubnis, seinen ebenso lesens- wie verbreitenswerten Text in deutscher Übersetzung veröffentlichen zu dürfen. Wir möchten in diesem Zusammenhang darauf hinweisen, dass zum selben Thema in der taz am 5. Februar 2024 ein vorzüglich recherchierter, umfassender Wissenschaftsessay von Franca Parianen erschienen ist, den wir unseren Leser:innen ebenfalls zur Lektüre empfehlen möchten. Sein programmatischer Titel lautet: Zeit für eine Luftveränderung.

https://twitter.com/tazgezwitscher/status/1754852474660245522

Happy Birthday #ProtectTheKids

Kaum zu glauben, schon sind wieder 2 Jahre rum…

Zwei ziemlich bewegte Jahre, in denen auch ich mich als Aktivist für saubere Luft in Schulen und Kitas versucht habe – eine ganz neue Erfahrung, die ich mir eigentlich zwar so gar nicht ausgesucht habe (sie ist mir mehr oder weniger in den Schoß gefallen), die ich aber dennoch nicht missen möchte.

 

Aber leider muss ich auch nach zwei Jahren sagen: Mission not completed yet – das hätte sich die Gruppe, die als Initiative #ProtectTheKids im Frühsommer 2021 gemeinsam aktiv wurde, so auch nicht gedacht. Denn ursprünglich war unser Plan, vor den Sommerferien geballt mit einer Petition und medialer Aufmerksamkeit aktiv zu werden, um für das Schuljahr 2021/22 rasch endlich mehr Infektionsschutz zu erreichen – in der Hoffnung, dass damit das Thema dann vielleicht zu einem Gutteil bald erledigt sein könnte.

So ist es nicht gekommen – die Politik, insbesondere die KMK-Präsidentinnen Britta Ernst und Karin Prien, hat zusammen mit desinformierenden Journalisten, allen voran der “Investigativ”-Schwabe Markus Grill, das Thema systematisch ausgebremst. Mehrmals haben wir argumentativ, mit Unterstützung von ausgewiesenen Experten wie den Professoren Christian Kähler aus München Hartmut Herrmann aus Leipzig, dagegen gehalten, doch das Narrativ der angeblich nicht ausreichend bewiesenen Wirksamkeit von Luftfiltern konnte von den Coronaverharmlosern in der politische Öffentlichkeit ziemlich erfolgreich installiert werden.

Unter dem Druck der Öffentlichkeit wurden 2021/22 zwar einige Luftfilter für Schulen in manchen Regionen angeschafft (in Bayern sogar für knapp die Hälfte der Schulräume), aber sobald der Druck nachließ, wurde sofort die Rolle rückwärts versucht. In Hamburg blieben gar die zunächst für alle Schulräume eilig angeschafften Luftfilter seit dem Sommer letzten Jahres dann wieder ausgeschaltet – aus angeblichen “Energiespargründen”. Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe wird, da bin ich mir sicher, als Schildbürger der KMK damit in die Schulgeschichte eingehen.

Doch bei allem Pessimismus der vergangenen Monate tut sich mittlerweile doch wieder etwas bei dem Thema der sauberen Luft in Innenräumen: Während Deutschland seit Herbst 2022 schläft und der pandemisch-endemischen Ignoranz frönt, entdecken immer mehr andere Länder, in Europa etwa Belgien und Frankreich, die Wichtigkeit des Themas und erlassen Regelungen für Innenraum-Luftstandards – unabhängig von der akuten Pandemielage. Denn mit sauberer Luft in Innenräumen sorgt man einfach für Gesundheit und Wohlbefinden und kann so auch jede andere Infektionswelle abbremsen (ebenso wie z.B. den Pollenflug, der Allergikern saisonal zu schaffen macht).

Und es kommt noch besser, denn jetzt wird offenbar auch endlich die WHO in Europa bei dem Thema aktiv und hat für den 20. September eine eigene Tagung angekündigt. Ich bin mir insofern ziemlich sicher, dass wir von Bemühungen um mehr saubere Luft in Schulen und Kitas oder anderen öffentlichen Innenräumen bald auch in Deutschland wieder mehr hören werden. Für das Thema braucht man offensichtlich einen langen Atem, aber die Bemühungen scheinen am Ende doch nicht umsonst zu sein.

 

Infos über die Initiative #ProtectTheKids…

findet ihr im Netz auf der Webseite

LuftfilterJetzt.de/presse

oder auch immer aktuell auf Twitter:
https://twitter.com/_ProtectTheKids

Außerdem ist die Initiative auch auf Facebook und Instagram präsent:

https://www.facebook.com/InitiativeProtectTheKids/

https://www.instagram.com/_protectthekids/

Per Mail ist die Initiative erreichbar unter presse@luftfilterjetzt.de